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  • Jasmin Krieg

Nachhaltige Einwegverpackungen – Mehr drin als erhofft

Einer Studie zufolge nehmen wir wöchentlich das Gewicht einer Kreditkarte an Mikroplastik zu uns - solche oder ähnliche Schlagzeilen über Abfallprodukte in den Meeren, unserem Essen und der Luft lesen wir immer wieder. Mitverursacher dieser Müllflut sind Einwegverpackungen für Essen und Getränke to go. Kein Wunder also, dass viele auf Einwegplastikprodukte verzichten möchten und auch die Politik hier inzwischen eine Gesetzesänderung in die Wege geleitet hat. Als Alternative greifen derzeit einige zu Bio-Einweg.


Auf den ersten Blick nur logisch und praktisch: Du kannst mit gutem Gewissen weitermachen wie bisher, kein Pfand ist notwendig und die Behälter musst du nicht extra zurückbringen. Du holst dir deinen Kaffee im Becher, trinkst ihn aus und entsorgst ihn im Biomüll zuhause oder im Mülleimer auf dem Weg und schon ein paar Wochen später ist der Einwegbecher Geschichte.


Wir bekommen deshalb oft die Frage gestellt: Sind Bio-Einwegverpackungen nicht viel nachhaltiger als eure Mehrwegbehälter?


Das große Problem: Welche Anforderungen sogenannte Bio-Verpackungen erfüllen müssen, um als nachhaltig zu gelten, ist nicht klar definiert. Auf den „grünen“ Alternativen sind Begriffe wie biologisch abbaubar, kompostierbar und biobasiert zu lesen. Das ist zwar juristisch gesehen korrekt, vermittelt aber ein falsches Bild. Denn biologisch abbaubar bedeutet zwar, dass ein Produkt oder eine Verpackung auf natürliche Weise von Pilzen und Bakterien zu Wasser, CO2 und Methan abgebaut werden kann. Es sagt aber nichts über die Geschwindigkeit, mit der das geschieht oder unter welchen Umständen.

Ist von kompostierbar die Rede, bezieht sich das im Allgemeinen nur auf die industrielle Kompostierbarkeit und nicht auf die in einem Privathaushalt. Und selbst in industriellen Kompostieranlagen werden kompostierbare Verpackungen oft aus dem Bio-Müll aussortiert. Der Begriff biobasiert bezieht sich wiederum nur auf das Material, aus dem ein Produkt hergestellt wird. Wichtig für die Recycle- und Abbaubarkeit ist jedoch nicht das Ausgangsmaterial, sondern die chemische Struktur. Bio(basiert) bedeutet also nicht gleich nachhaltig.

 

Die “grünen” Einwegmaterialien unter der Lupe


PAPPE

Bei der Herstellung von Pappe werden viel Energie, Wasser und Chemikalien benötigt. Die Ökobilanz der Pappproduktion ist am Ende ähnlich hoch wie bei der Plastikproduktion. Für den Kontakt mit Lebensmitteln muss die Pappe außerdem mit Biokunststoff beschichtet werden, damit sie nicht aufweicht. Das macht eine Wiederverwertung des Geschirrs häufig unmöglich, da nur wenige Anlagen zur Kompostierung in der Lage sind. Stattdessen müssen sie verbrannt werden.


BAMBUS

Bambus alleine macht noch keinen Becher. Das Basismaterial, aus dem die umweltfreundlichen Alternativen hergestellt werden, liegt als Pulver vor. Um in Form zu kommen, ist deshalb der Klebstoff Melaminharz notwendig. Dadurch ist der Becher nicht mehr biologisch abbaubar und verrottet auch nach Jahren auf dem Kompost nicht. Somit ist das Material sogar weniger nachhaltig als klassische Plastikbehälter. Denn diese sind sortenrein und am Ende wieder recycelbar. Dazu kommt, dass das gesundheitsschädigende Melaminharz Untersuchungen zufolge bei der Nutzung des Bambusgeschirrs bei hohen Temperaturen (wie z.B. einem frischen Tee) freigesetzt werden kann. Alle Infos im Detail findet ihr bei Stiftung Warentest.


HOLZ

Bereits etwas besser schneidet Holz als Material ab, da weniger Energie für die Herstellung benötigt wird. Stammt das Holz aber vom anderen Ende der Welt oder sogar aus Raubbau und legt einen langen Transportweg zurück, fällt die gesamte Ökobilanz wieder in sich zusammen. Mit der Frage woher das Material kommt, steht und fällt also seine Nachhaltigkeit.


BAGASSE

Bagasse bleibt bei der Herstellung von Rohrzucker übrig. Als Restprodukt ist es besonders nachhaltig. Ähnlich wie bei Holz ist aber die Herkunft des Rohstoffs Zuckerrohr entscheidend. Außerdem ist das Material zwar theoretisch biologisch abbaubar, wird aber Stand heute nicht rezykliert. Oft werden Bagasse-Verpackungen zusätzlich beschichtet, um wasser- und fettabweisend zu werden. Das für die Beschichtung oft verwendete Melaminharz ist wiederum nicht biologisch abbaubar und wie bereits erwähnt auch gesundheitlich nicht unumstritten.

 

Letzten Endes versprechen viele „alternative“ Einwegverpackungen etwas, das sie in Wahrheit nicht halten können. Aufwendige Herstellungsprozesse, lange Transportwege und fehlende Abbaubar- bzw. Wiederverwertbarkeit schlagen sich in der Ökobilanz nieder. Ungeklärt bleiben außerdem die Fragen, wie chemikalien- oder energieintensiv die Weiterbearbeitung ist und an welcher anderen Stelle die Rohstoffe fehlen, wenn sie für Einwegprodukte genutzt werden. Um von echter Nachhaltigkeit zu sprechen, braucht es deshalb noch konkretere Regelungen und Standardisierung.

Worauf kannst du dann als Alternative zurückgreifen?


Natürlich gibt es Stand heute auch noch Situationen, in denen auf Einweg zurückgegriffen werden muss, beispielsweise, wenn keine Spülmöglichkeit zur Verfügung steht. Gerade Verpackungen aus Holz oder Bagasse sind dann in jedem Fall besser als die bisher geläufigen Aluschalen oder Plastikbecher. Außerdem arbeiten viele Unternehmen bereits an essbaren Verpackungsmöglichkeiten aus Brot oder Algen, sodass überhaupt kein Abfall entsteht.


Für den Massenmarkt empfiehlt der NABU den Aufbau und die Nutzung von Mehrwegsystemen. Denn Mehrwegbehälter schneiden, auch wenn sie aus Plastik gefertigt werden, aufgrund ihres geringen Gewichts und ihrer Wiederverwertbarkeit bereits nach wenigen Nutzungen in der Ökobilanz besser ab als alle auf dem Markt geläufigen Einwegalternativen. Und Plastik ist nicht per sé schlecht, solange es in einem geschlossenen technischen Kreislauf zirkuliert. Dazu in einem künftigen Blogbeitrag aber mehr – stay tuned! 😉

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